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Stellen Sie sich handgefertigte Möbel vor, die nicht nur schön aussehen – sondern sich anfühlen, als kämen sie direkt aus der Natur selbst. Möbel, die vollkommen natürlich sind. Stylisch. Alltagstauglich. Und danach vollständig wieder in den Kreislauf zurückkehren können.

 

Ganz ohne versteckte Kunststoffe. Ohne Chemie. Ohne Kompromisse.

 

Und jetzt stellen Sie sich vor, dass nach mehreren Recyclingzyklen sogar das letzte verbleibende Material industriell kompostiert werden kann – um der Natur genau das zurückzugeben, woraus später neues, wertvolles Material entsteht.

 

Klingt zu visionär, um wahr zu sein?

Ist es aber nicht.

 

Ich präsentiere Ihnen: das Zyklusmöbel.

Die nachhaltigsten Möbel der Welt – und eine Idee, die unser Verständnis von nachhaltiger Inneneinrichtung für immer verändern könnte.

 

Sind Sie bereit für die Zukunft des Wohnens?

nachhaltige Möbel

Das Zyklusmöbel ist das Ergebnis eines einzigartigen Zusammenspiels aus sorgfältig ausgewählten Naturmaterialien, echter Handwerkskunst und einer eigens dafür geschaffenen Infrastruktur.

Im Zentrum steht die Plattform zyklusmöbel.ch* – der digitale Ort, an dem jeder Schritt transparent nachvollziehbar ist und jedes ökologische Möbelstück seine eigene Geschichte trägt.

 

Für die Herstellung eines Zyklusmöbels werden ausschließlich Materialien verwendet, die in der öffentlich einsehbaren Materialdatenbank auf zyklusmoebel.ch aufgeführt sind.

Sobald das Möbel gebaut ist, wird es auf der Plattform registriert und macht sich anschließend auf den Weg zu seinem neuen Besitzer – bereit, viele Jahre lang treue Dienste zu leisten.

 

Doch das wirklich Besondere beginnt erst nach seiner Nutzungszeit:

Über die Registrierung auf zyklusmöbel.ch gelangt das handgefertigte Möbel zurück zu genau dem Schreiner, der es einst gefertigt hat. Dort wird es sorgfältig zerlegt, und jedes einzelne Material wird wiederverwertet.

 

Die natürlichen Komponenten werden zerkleinert und dienen einem Pilz als Nährstoffsubstrat.

Während der Pilz das gesamte Material durchwächst, verbindet er es zu einer stabilen Myzelkompositplatte – dem Ausgangspunkt für neue Upcycling Möbel einer nächsten Generation.

 

Nur Partikel kleiner als 2 mm werden ausgesondert. Diese gelangen zu einem Partnerbetrieb**, wo sie industriell zu Erde bzw. Kompost verarbeitet werden – und so vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückkehren.

*= Seite in Bearbeitung **=Im Aufbau

myzelkomposit,nachhaltigezyklusmöbel5

Holzschnitzel dienen einem Pilz als Nährstoff und werden in einer Form mit dem Pilzmyzel vermischt 

Myzelkomposit, nachhaltiges Zyklusmöbel

Das Pilzmyzel ernährt sich vom Holzsubstrat und vernetzt alles zu einer gummiartigen Masse

myzelkomposit,nachhaltigezyklusmöbel

In einem Press-und Erhitzungsprozess wird die Form verdichtet und das Pilzwachstum gestoppt

myzelkomposit,nachhaltigezyklusmöbel

Nach dem trocknen erhält man eine
Myzelkompositplatte. Ähnlich einer Spanplatte, nur eben rein natürlich und biologisch abbaubar.

Zurück zum Ursprung – Möbel, die wieder Teil des Kreislaufs werden

Was geschieht mit einem Möbelstück, wenn es ausgedient hat?
Wird es verbrannt, deponiert – oder darf es eines Tages wieder zur Erde werden?

Wer konsequent nachhaltige, ja sogar kompostierbare Möbel denkt, kommt an einer entscheidenden Frage nicht vorbei: Was hält sie zusammen? Schrauben lassen sich lösen, Holz zerfällt – doch der Klebstoff bleibt. Soll ein Möbel wirklich in den natürlichen Kreislauf zurückkehren, braucht es einen Leim, der ebenso natürlich ist wie das Holz selbst.

Bis in die 1950er-Jahre hinein war genau das selbstverständlich. Rein natürliche Klebstoffe prägten das Handwerk. Die Vielfalt war bemerkenswert: Knochenleim aus tierischem Kollagen, Caseinleime auf Milcheiweißbasis, Soya-Proteinleime oder Reis- und Stärke­kleber – sie alle hielten Möbel, Instrumente und Konstruktionen zuverlässig zusammen. Erst mit dem Siegeszug synthetischer Weißleime und Kunstharzkleber verschwanden diese traditionellen Rezepturen nach und nach aus den Werkstätten.

Doch die Idee eines vollständig natürlichen Möbels erlebt heute eine neue Aktualität.

Eine besondere Spur führt nach Mexiko, in die 1930er- bis 1950er-Jahre. Dort soll der Folklore-Sänger und Instrumentenbauer Cirilo Promotor gemeinsam mit seinem Lehrling Julio Cesar Coronada einen Weizenprotein-Kleber für den Bau seiner Instrumente verwendet haben. Überliefert ist ein Gemisch aus Weizenprotein, Sumpfkalk (oder einer ähnlichen mineralischen Komponente) und Limettensaft – eine Verbindung aus pflanzlichem Eiweiß, Mineral und natürlicher Säure.

Beim sorgfältigen Nachmischen dieser historischen Rezeptur wurde deutlich, welches Potenzial in dieser Kombination steckt – nicht nur für den Instrumentenbau, sondern für das konsequente Entwickeln von sogenannten Zyklusmöbeln: Möbeln, die am Ende ihrer Lebensdauer vollständig in biologische oder mineralische Bestandteile zerfallen dürfen.

Nach unzähligen Versuchsreihen, Anpassungen und Belastungstests gelang es schließlich, das optimale Mischungsverhältnis für maximale Klebekraft zu bestimmen. So entstand Gliim.

Gliim ist ein Gluten-Leimpulver, das im Verhältnis 1:1 (Volumen) lediglich mit Wasser angerührt wird. Es entsteht ein kraftvoller, rein natürlicher Holzleim für Holz und Holzwerkstoffe. Dabei ist Gliim bewusst nicht mit dem heute gebräuchlichen Weißleim zu vergleichen. Seine Klebekraft bewegt sich in etwa im Bereich von Knochenleim, jedoch mit einer deutlich längeren Topfzeit und Trocknungszeit – ein Vorteil, wenn größere Flächen oder komplexere Verbindungen verarbeitet werden.

Gliim ist nicht wasserfest. Gluten und Zitronensäure sind biologisch abbaubar; der verwendete Hydraulikkalk verbleibt als mineralische, unbedenkliche Substanz. Der Leim ist vegan, für den Innenbereich konzipiert und für nicht tragende Konstruktionen gedacht.

Damit eröffnet sich eine spannende Perspektive: Möbel, deren Bestandteile – Holz, Oberfläche und Klebstoff – konsequent natürlich sind. Möbel, die nicht nur nachhaltig produziert, sondern auch nachhaltig verabschiedet werden können.

Langzeit- und Praxistests laufen derzeit noch. Erste Anwendungen zeigen vielversprechende Ergebnisse, insbesondere im Hinblick auf Verarbeitbarkeit und Offenzeit. Wie sich Gliim im Vergleich zu anderen rein natürlichen Leimen im Alltag bewährt, wird die weitere Praxis zeigen.

Eines jedoch steht bereits fest: Die Rückbesinnung auf natürliche Bindemittel ist mehr als Nostalgie. Sie ist ein Schritt hin zu einem neuen – oder vielleicht sehr alten – Verständnis von Material, Handwerk und Verantwortung.

Man darf gespannt sein.

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